Turniere
Der Buy-in
In einem Pokerwettkampf gibt es den “Buy-in”. Das ist der Betrag, der gezahlt werden muss, wenn man mitspielen will. Alle Teilnehmer zahlen den gleichen Betrag in den Gewinnpot ein. Oft muss auch eine “Entry Fee” bezahlt werden, also eine Gebühr für die Nutzung der Tische, der Dealer, Karten und Chips, die zur Verfügung gestellt werden. Meist beträgt die Entry Fee ungefähr 10% des Buy-in.
Im Internet findet man Wettkämpfe wie “$ 100 + $ 9”, der Buy-in beträgt somit $ 100 und die Entry Fee liegt bei $ 9. Die Teilnahme am Spiel kosten also insgesamt 109 Dollar.
Ein Pokerturnier ohne Einschreibgebühren heißt „Freeroll“, auch davon lassen sich genug im Internet finden.
Das Verfahren
Jeder Spieler erhält im Losverfahren einen Platz, so dass man im Unterschied zu einem Cash Game nicht selbst bestimmen kann, wo man gerne sitzen möchte. Jeder bekommt zu Anfang gleich viele Chips. Diese Chips haben keinen Geldwert. Amerikaner sprechen gerne von Dollars, aber die Bezeichnung „Punkte“ wäre eigentlich zutreffender.
Diese Chips haben deshalb keinen Geldwert, weil man nicht aus dem Spiel aussteigen und seine Münzen an der Kasse einlösen kann. Es handelt sich hier um „virtuelles Geld“, das erst dann einen Wert erhält, wenn man zu den Preisträgern gehört.
Die Spieler gehen nach den normalen Regeln vor, indem sie versuchen, Chips von ihren Gegenspielern zu sammeln. In dem Moment, in dem Sie alle Chips verloren haben, ist das Turnier für Sie zu Ende.
Der Wettkampf an sich wird so lange fortgesetzt, bis ein Teilnehmer alle Chips, die sich im Spiel befinden, gesammelt hat. Der Gewinner steht fest. Erst dann ist der Wettkampf zu Ende.
Die Limits
Man kann sich vorstellen, dass ein Wettbewerb mit 100 Teilnehmern ein Jahr dauern kann, bis ein Gewinner gefunden wird. Alle Chips bleiben nämlich im Spiel und die „überlebenden Spieler“ häufen immer mehr Chips an.
Um den Eliminationsprozess etwas zu erhöhen, werden die Limits (die Blinds und damit der Mindesteinsatz) in gewissen Abständen erhöht. In No Limit Hold'em-Wettkämpfen werden häufig „Antes“ hinzugefügt, so dass sich nun noch mehr Geld im Pot befindet, bevor die Karten verteilt werden. Die Folge ist, dass es sehr viele Chips kostet, wenn Sie in einer Runde folden. Das bedeutet, dass man irgendwann gezwungen ist, sein Blatt zu spielen, da man sonst durch die ganzen Blinds (und Antes) seine Chips verliert. Das sorgt für viele sehr spannende Momente, da durch diese steigenden Limits regelmäßig Leute ein „All-In“ haben, so dass ihre gesamte Wettbewerbsexistenz auf dem Spiel steht.
Das Phänomen „Blinds stechen“ wird so zu einem essentiellen Bestandteil der Überlebensstrategie. Angenommen, man könnte in jeder Runde einen Blind haben, so bliebe man am Leben - soweit die Theorie. Es geht bei so einem „Stechen“ aber mehr um das Timing als um die Karten. Das kann manchmal sehr merkwürdig enden, wie man in diesem Film entnehmen kann. Es handelt sich hierbei um ein Interview mit dem Engländer Neil Channing, der während des zweiten Tages der WSOP 2004 versuchte, den Blind mit B6 zu stechen, während ein anderer mit einem Pocket voller Asse saß beim Blind... Klicken Sie hier »
Die Preise
In dem Maße, wie die Anzahl der Spieler abnimmt, werden die Tische abgeräumt und die Spieler müssen zu anderen Tischen umziehen, wenn neue Tische zusammengesetzt werden. Die letzten Spieler, die sich noch im Wettkampf befinden - meist die letzten 10 % der Teilnehmer - erhalten einen gewissen Anteil des Preisgeldes. Bei größeren Wettkämpfen wird dies auf eine bestimmte Anzahl Tische abgerundet, also bei zum Beispiel 100 Spielern erhält der letzte Tisch das Preisgeld und bei 160 Teilnehmern die letzten zwei Tische.
Wettkämpfe sind meistens sehr spitzenlastig, oft werden mehr als 60% des gesamten Preisgeldes an die letzten 3 Spieler ausgezahlt. Sind diese Beträge sehr hoch, wird regelmäßig ein Deal zwischen den letzten zwei bis sechs Spielern geschlossen. So wird das Preisgeld dann untereinander ein wenig stärker verteilt, oft auf Basis eines „Chip Count“, so dass man nicht viele Tausend Dollar vom Zufall der Karten abhängig macht. Die meisten Casinos sind gegen diese Deals und haben sie verboten. Das hat aber nur zum Erfolg, dass die Verhandlungen nun auf der Toilette stattfinden.
Dies ist eine logische Folge der extremen Preisgeldunterschiede, was natürlich zum Wettbewerbspoker dazugehört. Als Fünfzehnter eines Wettbewerbs beispielsweise erhält man oft gerade eben seinen Buy-in zurück, während der Sieger bis zu 40% des gesamten Preispots erhält. Wie auch immer: Es ist schön, wenn man „in the money“ endet, so dass man zumindest keinen Verlust erleidet.
Die Zeit der „Money Cut-off Line“ oder des „Bubble“ ist immer die spannendste Zeit des Turniers. Der Spieler, der zu diesem Zeitpunkt „rausfliegt“, gewinnt gar nichts. Der Rest fließt in das Preisgeld. Der Bubble ist der schlimmste Zeitpunkt. Man hat lange gespielt, Hoffnungen gehegt und geht schließlich doch mit leeren Händen nach Hause. Viele Spieler wollen absolut nicht beim Bubble enden und trauen sich daher nicht mehr, ihr Blatt auszuspielen. Damit entschwinden aber auch ihre Chancen auf den Gewinn.
Stalling
Ein Trick, der häufig angewendet wird ist „Stalling“ – also Zeit schinden. Angenommen, es werden 10 Preisgelder gezahlt und es sind noch 11 Spieler übrig, so spielt man an zwei Tischen. Wenn man nun bei jeder Runde fünf Minuten nachdenkt, erhöht sich die Chance, dass am Nebentisch jemand rausfliegt und man so selbst zu den 10 Gewinnern zählt.
Damit das nicht passiert, geht das Spiel in dieser Phase oft „hand for hand“, die beiden Tische beginnen beide gleichzeitig mit ihren Runden und es wird gewartet bis der andere Tisch auch so weit ist, bevor eine neue Runde beginnt und die Karten ausgeteilt werden.
Im Internet haben Sie ohnehin nur 15 Sekunden Bedenkzeit, allerdings gibt es bei manchen Sites eine „Time Bank“ von 120 Sekunden, die sie während des Wettkampfes nutzen können, wenn Sie eine schwierige Entscheidung zu treffen haben. Viele Spieler gebrauchen ihre Zeitbank, um Zeit zu schinden, aber dank des „hand for hand“ ist diese Strategie sinnlos geworden.
In einem „Live“-Wettkampf können Sie beim Dealer eine „Uhr“ anfordern, wenn Sie meinen, dass ein Spieler zu lange nachdenkt. Der Wettkampfleiter kommt dann zum Tisch und zählt eine Minute ab. Wenn der Spieler innerhalb dieser Zeit keine Entscheidung treffen konnte, ist seine Runde „tot“.
Wenn in einer Runde zugleich zwei Spieler ausscheiden, so wird in der Regel der Spieler, der die Runde mit mehr Chips begonnen hat, höher platziert. In einigen Casinos müssen nun diese beiden Spieler den Preis unter sich aufteilen. Sorgen Sie auf jeden Fall dafür, dass Sie vor dem Spiel genau über die Regeln Bescheid wissen, so dass Sie hinterher keine bösen Überraschungen erleben.
Rebuy-Turniere
Die meisten Wettkämpfe sind Freezeout-Wettkämpfe ("When you're broke, you're gone"), aber man findet auch regelmäßig, vor allem in den niederländischen Casinos, so genannte Rebuy-Turniere.
Wenn man seine Chips verloren hat, kann man sich während der ersten Levels hierbei aufs Neue einkaufen. Manchmal kann man bereits einen Rebuy vornehmen, wenn man über so viel wie den Startbetrag oder weniger verfügt. Die Handhabung ist unterschiedlich.
Zu Anfang wird in der Hoffnung, so viele Chips wie möglich zu erhalten, oftmals mehr riskiert, damit die Position nach der Rebuy-Phase besonders gut ist.
Außerdem kann oft noch ein „Add-On“ am Ende der Rebuy-Phase vorgenommen werden. Unabhängig von der Anzahl der Chips können bei einem Add-On Punkte zugekauft werden. Da man bei einem Add-On für den gleichen Betrag oft mehr Punkte als bei einem Rebuy erhält, erfreut sich das Add-On großer Beliebtheit.
Eine gute Faustregel: Wenn Sie Ihrem Stack mit einem Add-On 30% oder mehr hinzufügen können, ist dies eine gute Investition. Ist es dagegen weniger, so verfügen Sie in der Regel über genug Geld und könnten auch ohne auskommen.
Durch all diese Rebuys und Add-ons wird der Preispot kräftig aufgestockt. Die Kehrseite ist allerdings, dass Sie damit (viel) mehr Geld in den Wettkampf investieren. Das mindert den zu erwartenden Gewinn ja dann doch erheblich. Einige Spieler machen so viele Rebuys, dass sie schon Platz vier belegen müssten, wenn sie auf Null raus kommen wollen. Diese Vorgehensweise kann jedoch für einen durchschnittlichen Spieler niemals eine gute Strategie darstellen.
Natürlich gibt es Ausnahmen. Daniel Negreanu machte in dem $ 1,000 Rebuy-Wettkampf des WSOP 2004 sicherlich 27 Rebuys. In diesem Interview erklärt er seine Beweggründe... Klicken Sie hier »
Ist Turnierpoker finanziell interessant?
Diese Diskussion ist alt, und jeder hat eine andere Meinung hierzu. Das Lästigste im Wettkampf ist, dass man viele Male einen Pot gewinnen kann, ohne jedoch mit einem Preisgeld nach Hause zu gehen. In einem Cash Game stellt jeder Pot, den man gewinnt, direkt einen Gewinn für den eigenen Geldbeutel dar.
Das Spiel ist weniger risikoreich. Es zielt eher aufs „Überleben“ als auf den maximal möglichen Gewinn ab. In einem Wettkampf geht es mehr darum, den Pot zu gewinnen und weniger, wie viel man aus einer Karte herausholt.
Es ist schwierig, einen Erwartungswert zu berechnen, bevor man mit einem Wettkampf begonnen hat. Wichtige Faktoren sind: das Buy-in, die Zahl der Spieler, die Anzahl schlechter Spieler und die Struktur der Blinds.
Wenn die Blinds sehr schnell steigen (wie in den niederländischen Casinos, in denen man zu Anfang 500 bis 800 Chips bekommt, mit Blinds 10/20, die alle 30 oder 15 Minuten in die Höhe gehen), spielt Glück eine große Rolle, da irgendwann der Zeitpunkt kommt, an dem man einfach nur die richtigen Karten haben muss, um den Pot zu gewinnen. Bleiben die richtigen Karten jedoch aus, so hat man keine Chance, denn die Blinds machen einen arm.
In Wettkämpfen mit einer langsamen Struktur (wie z.B. das Main Event der World Series of Poker, bei dem man zu Beginn des Spiels 10 000 Punkte erhält, mit Blinds 25/50 die alle zwei Stunden in die Höhe gehen), hat man Zeit genug, in Ruhe sein Spiel zu spielen. Man muss keine unnötigen Risiken eingehen. Das Glück spielt dabei eine weitaus geringere Rolle, und den Ausschlag für den Erfolg geben letztlich die eigenen Fähigkeiten.
Wettkampfkönig Erik Seidel sagt, dass sein Erwartungswert bei jedem Wettkampf bei ungefähr fünf Buy-ins liegt. Das ist natürlich nur eine vage Schätzung, denn man kann 50 Wettkämpfe verlieren, trotz dessen plötzlich ein Mal gewinnen und somit wieder ins Plus geraten. Manchmal kann man froh sein, wenn ein Null-Spiel herauskommt. Wettkampfpoker kostet sehr viel Zeit, führt zu relativ starken finanziellen Schwankungen und beinhaltet eine gewisse Unwägbarkeit. Auf der anderen Seit besteht natürlich die Chance, einen riesigen Gewinn zu erzielen.
In einem Cash Game kann man in einem kleineren Zeitrahmen öfter (und sicherer) gewinnen. Ein erster Preis in einem Turnier lässt sich nicht so leicht erspielen. Das ist ja auch das Schöne am Turnierpoker, dass man mit einer kleinen Einlage die Chance hat, einen sehr großen Preispot zu gewinnen.
Eins ist sicher: Jeder Wettkampf endet mit einem Sieger, der den Preis nach Hause holt. Warum sollten nicht einmal Sie der Gewinner sein?
Verschiedene Wettkämpfe
Ein Multi-Table-Wettkampf ist die bekannteste Wettkampfform, allerdings gibt auch andere.
Satellites sind Qualifikationswettkämpfe für teurere Turniere. Wenn Sie zum Beispiel einen $ 80-Satellite für einen $ 1000-Wettkampf spielen, wird für jeweils $ 1000 aus dem Preispot ein Ticket für das „Target Tournament“ ausgestellt. Satellite-Wettkämpfe sind oft Rebuys, so dass mehr Tickets vergeben werden.
Es gibt auch Single-Table-Wettkämpfe, auch Sit & Go's genannt. Dies sind kleine Wettkämpfe mit nur einem Tisch und 9 oder 10 Spielern, bei denen die Top 3 ausbezahlt werden. Diese Wettkampfform ist im Internet enorm populär.
Außerdem gibt es die Single-Table-Satellites. Für sie gilt oft: „The winner takes it all.“ In Las Vegas kann man zum Beispiel einen Single-Table-Satellite für $ 1000 spielen, bei dem am Ende dem Gewinner ein Ticket für einen $ 10 000-Wettkampf um die Weltmeisterschaft winkt.
Eine weitere Variante ist der so genannte Double Shootout, bei dem jeder Tisch eine Art eigenes Turnier bildet und bei dem nur der Gewinner zum Finale vordringt. Diese Spieler kämpfen dann um das eigentliche Preisgeld. Im Pokerwestern Maverick wird diese Wettkampfform gespielt.
Weiterhin sind auch Heads-Up-Turniere populär. Das sind Spiele, bei denen sich zwei Spieler gegenüber sitzen, vergleichbar etwa mit einem Tenniswettkampf.
Jedes Jahr im Mai finden die World Heads-Up-Championships in Barcelona statt, bei denen 128 der besten Spieler der Welt manchmal 8 Stunden lang Mann gegen Mann einen Kampf durchstehen. Sehr schön für den Zuschauer, aber noch schöner ist es, selbst zu spielen.
Wettkampfstrategien
Viele Bücher sind über Wettkampfpoker geschrieben worden. Neben den „einfachen“ Spielstrategien sind hierbei viele Aspekte zu berücksichtigen - Aspekte die in einem Cash Game so gut wie nie eine Rolle spielen:
• Wie viele Chips habe ich noch im Verhältnis zu den Blinds?
• Wie viele Chips habe ich noch im Verhältnis zum Durchschnitt?
• Wann erhöhen sich wieder die Limits?
• Wie viel Prozent meines Stacks kostet es mich in dieser Runde, meine Karten nicht auszuspielen?
• Wie viele Spieler müssen ausfallen, bevor ich einen Preis erhalte?
• Wie viele Spieler haben weniger Chips als ich?
• Wie viele Chips hat mein linker Nachbar?
• Wie viele Chips hat mein rechter Nachbar?
• Wie viele Chips hat derjenige, der gerade erhöht hat?
• Kann der Spieler mit dem Big Blind keine Runde mehr spielen oder ist er einfach nur sehr aggressiv?
• ...und noch einiges mehr.
Für jede Wettkampfform sind andere Strategien notwendig. Deshalb gibt es Spezialisten, die sich zum Beispiel nur mit Sit & Go's oder Satellites befassen.
Wenn Sie sich ernsthaft auf den Wettkampfpoker stürzen wollen, möchten wir Ihnen ans Herz legen, zuvor einiges an Wettkampflektüre zu lesen, die sich intensiver mit den jeweiligen Konzepten auseinandersetzt. Tournament Poker for Advanced Players von David Sklansky ist auf diesem Gebiet sehr zu empfehlen.
Wenn Sie es intensiv studieren und sehr viel üben, sehen wir Sie hoffentlich in Kürze am Final-Tisch!
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